Künstlergarten

Der Garten als Künstlerort


Historische Aufnahme: Hanns Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre
Historische Aufnahme: Hanns Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre

Das altehrwürdige „Bergische Land“ gehört zu den Landschaften in Europa, die die größte Menge an Niederschlägen auf dem Kontinent zu verzeichnen hat. Entsprechend üppig die Vegetation und Grün die Landschaft. Wird eine Parzelle sich selbst überlassen überwuchert sie in Kürzester Zeit mit einem sehr dichten Pflanzenbewuchs. Große Flächen mit Brennnessel und Dornenhecken sind nicht selten. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Hauses des Schriftstellers Hanns Heinen - dem sogenannten „Schwarzen Haus“ im Solinger Stadtteil Höscheid, folgt  man ca. 200 m einen kleinen Feldweg, der sich hinter dem Fachwerkensemble des Roten und des Schwarzen Hauses den Hang abwärts schlängeltet,  fällt dem Wanderer eine untypisch gebaute Scheune aus geschwärzten Backsteinen  auf, und daneben ein großes, dicht mit Brombeerhecken und anderen Pflanzen überwuchertes quadratisches Grundstück.

Historische Aufnahme: Gabriele Heinen im Künstlergarten, ca. 1938 - im Hintergrund das Gartenhaus
Historische Aufnahme: Gabriele Heinen im Künstlergarten, ca. 1938 - im Hintergrund das Gartenhaus

Die Scheune war ursprünglich zu einem völlig anderen Zweck errichtet worden. Das Gebäude ist eigentlich ein Industriedenkmal und wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts als Pumpenhaus zur Entwässerung des Bleibergwerkes Höhscheid errichtet. Die Betreiber hatten ständig mit Wassereinbrüchen in den Stollen zu kämpfen und beschlossen mit einer Dampfgetriebenen Pumpe dem Problem Herr zu werden. Ende der 1880er Jahre kam dann das endgültige Aus für die Mine. Im jetzt überwucherten Gelände, neben dem Backsteinbauwerk, stand ehemals der Förderturm der Mine. Eine große Abraumhalde in der Nähe zeugt noch von der intensiven Bergwerkstätigkeit. In dieser Industriebrache entschloss sich Hanns Heinen und seine Gattin Erna Heinen – Steinhoff einen großen Ziergarten anzulegen und erwarb dieses Grundstück, zusammen mit dem „Schwarzen Haus“ im Jahre 1932.

Historische Aufnahme aus dem Künstlergarten: Im Hungerjahr 1946 : V.Ln.R: : Hanns Heinen, Gabriele Heinen, Eva Schneider, Gunther Heinen, Erna Heinen-Steinhoff, Erwin Bowien und Bettina Heinen - im Hintergrund die Mauer des ehemaligen Pumpenhauses
Historische Aufnahme aus dem Künstlergarten: Im Hungerjahr 1946 : V.Ln.R: : Hanns Heinen, Gabriele Heinen, Eva Schneider, Gunther Heinen, Erna Heinen-Steinhoff, Erwin Bowien und Bettina Heinen - im Hintergrund die Mauer des ehemaligen Pumpenhauses

Hanns Heinen war ein leidenschaftlicher Gärtner und fand in der beschaulichen Gartenarbeit einen Ausgleich für seine intensive Schriftstellerrische und journalistische Tätigkeit. Mit großem Fleiß und Mühe verwandelte er das Grundstück neben dem ehemaligen Pumpenhaus in einen großen farbenprächtigen Ziergarten. Ein großer altehrwürdiger Kirschbaum mit mächtigem Stamm und Ästen, war das Herzstück dieses Gartens. Der Platz unter dem Baum war ein Fixpunkt im Leben und Wirken von Hanns Heinen und später der Künstler der Kolonie. Hier ersann er Reine und schrieb er an seiner Lyrik. Hier versammelte er seine Freunde und las seine Werke vor. Besonders Im Sommer fanden an langen Tischen große Gartenfeste statt. Bei Regen flüchtete man in eine kleine Gartenlaube unmittelbar an der Scheune. Lange war es möglich vom Garten aus einen spektakulären Ausblick über den Berghang hinab bis Tief in die Rheinebene zu erleben. Im Vordergrund Weizenfelder und im Mittelfeld die Hofschaft Kohlsberg mit der markanten Kirche. Der Garten war bis in die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts umgeben von Weizenfelder. Hanns Heinen konnte von hier aus den Wechsel der Jahreszeiten und die Mühe der Feldarbeit beobachten. Es war aber auch ein ausgezeichneter Beobachtungsposten um die Fauna zu beobachten.
In den ersten Nachkriegsjahren wurde während der großen Hungersnot Gemüse angebaut. Der Garten somit überlebenswichtig für die Familie Heinen und für Erwin Bowien als erster Künstler der Kolonie. Der Garten war in jeder Hinsicht ein Künstlerort und steht in einer Tradition - wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab und ohne Wasser - mit dem Garten von Monet in Giverny. Im Rahmen des anstehenden Museumsprojektes im „ Schwarzen Haus“ zur Dokumentation der gleichnamigen Künstlerkolonie, wäre dieser Garten eine Ideale Ergänzung eines Möglichen Museumsparcours.